Nähe und Distanz/Verlustängste

Ich kann nicht mit dir, aber ich kann auch nicht ohne dich.

Ich bin verzweifelt. Ich habe schon so viel getan, um etwas gegen diese Symptome zu tun. Ich habe gebetet, an meinem Selbstbild und meinem Selbstbewusstsein gearbeitet, ich habe mir die Hände auflegen lassen, ich bin einfach durch den Schmerz, wie durch eine Wand, ich habe es ertragen, bis ich depressiv wurde, ich habe es versteckt, bis Panikattacken, mich aus meinem Schlaf rissen, ich habe die verschiedensten Übung von Skills bis Energieheilung durch.

Doch immer scheint es ein Stück aufwärts zu gehen, nur um dann wieder rapide bergab zu rasen.

Ich bekomme meine Verlustängste nicht in den Griff und ich bin der Meinung, dass sie einer der Gründe für mein Problem sind. Nämlich Nähe endlich dauerhaft zuzulassen.

Spüre ich diese atemberaubende, heillose, zerfetzende Angst, mein Partner könnte nicht wieder kommen, tue ich sehr, sehr viel dafür, um dies zu vermeiden. Und zwar rigoros. Ich habe schon gelernt, es auszuhalten, es zu ertragen, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht die Schuld meines Partners ist. Trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen, Gespräche und Anschuldigungen. Es geht mir auf den Sack!!! Aber so dermaßen!

Ständig dieses.. Wo bist du? Was machst du? Mit wem? Warum hast Du dich nicht gemeldet? Ich gehe mir selbst schon richtig auf den Keks damit!!! Ich will es sein lassen!!! Unbedingt!! Und trotzdem geht es nicht. Es zerfetzt mich. Die Auswirkungen auf meine Psyche, dieses alles in sich reinfressen. Es funktioniert nicht.

Mein Freund und ich haben uns darauf geeinigt, immer darüber zu reden. Ich darf meine Gefühle und Gedanken ausdrücken. Ich darf ihm alles sagen. Dass ich Angst habe, dass er nicht wieder kommt, dass er mich belügt, dass er fremd geht, usw.

Das erlöst mich ein wenig. Ich kann emotional aufatmen, wenn ich das losgeworden bin. Das Seltsame ist, ich bin mir sicher, dass er treu ist und gerne bei mir ist und die Beziehung ernst nimmt. Trotzdem sind meine Verletzungen der Vergangenheit so tief, dass mir all das in diesen Momenten gar nichts nützt. Die Emotionen überrollen mich einfach und dann gibts kein Halten mehr. So kann man sich das übrigens auch mit jedem anderen Symptom vorstellen! Verstand scheint zwecklos.

(Natürlich kann man in Therapie lernen, den Verstand immer besser zu nutzen, um seine Gefühle, Gedanken etc. in die richtige Richtung zu lenken und das klappt auch! Das sage ich aus Erfahrung!!)

Doch hier handelt es sich um eine meiner tiefsten seelischen Verletzungen und da braucht es mehr, um zu Heilen.

Meiner Erfahrung nach, gelingt alles nach und nach, wenn man es will. Ich habe durch Therapie und viel Arbeit an mir, mittlerweile Dinge gelernt, von denen ich wusste, dass ich sie NIEMALS lernen würde! Also bitte, gebt nicht auf und wenn, dann nur zum Verschnaufen. Therapie und Lernen ist anstrengend! Man braucht Pause.

Nun also, wo sitzt mein verdammtes Problem? Ich habe alle Werkzeuge, ich habe das Selbstverständnis. Ich glaube ich habe alles und trotzdem fehlt etwas.

Soll ich ehrlich sein? 

Ich will es nicht.

Ich will ganz, ganz, ganz tief in mir drin nicht mehr lieben, nicht mehr enttäuscht werden, nicht mehr verletzt. Ich will alles unter Kontrolle haben, nicht weil es Spaß macht, sondern weil ich echt krank bin. Und damit meine ich nicht das abwertende krank. Sondern das echte "Ich bin krank ich geh zum Arzt".

Ich habe so viele krasse Ängste in Bezug auf die Liebe, sodass ich einfach keinen Bock mehr drauf habe. Wenn ich nach unten schaue, in die Verletzungen, die Peinigung, den Schmerz und die verletzliche Offenheit, schnüren sich mir Bauch, Herz und Kehle gleichzeitig zu. Glaub mir, wenn der Schmerz nicht so übergroß und mächtig wäre, hätte ich schon längst angefangen, mehr Nähe und Liebe zuzulassen.

Ein schönes Sprichwort sagt, lass das Alte hinter dir und schau nach vorne. Ist ja nicht so, dass ich nicht bereit wäre das auszuprobieren. Doch dann sehe ich mich auflösen, in der Hoffnung, auf Symbiose und dazu löst man sich schliesslich auf! Ich löse meine Persönlichkeit und alles, was ich bin in euphoriegetränkten drei Wochen auf, um dann wahrlich mit nichts vor einem Trümmerhaufen zu stehen. Denn sag mir eins! Welcher Mann hält sowas freiwillig aus???

Nungut, es gibt da noch den goldenen Mittelweg. Wer es noch nicht kennt. Borderline bedeutet übersetzt Grenzgänger, wir laufen in den Extremen. Unsere Störung scheint uns zu zwingen an der Grenze zu laufen, um uns zu spüren oder warum auch immer.. (Auch hier wieder die wichtige Anmerkung! Das ist zwar eine Tatsache, jedoch NICHT in Stein gemeisselt!! Du kannst es lernen! Doch da jeder Mensch Grenzen hat, ist Heilung keine fliessende Konstante, sondern etwas, wobei man an seine Grenzen stößt und diese neu ausrichtet. Und das braucht Zeit.)

 

 


Zur Zeit kann mir wohl niemand helfen, weil ich mich in meinem tiefsten Inneren zum Stillstand nieder gelegt habe. Ich weiß nicht, was zu tun ist. Ich bin einfach da, sehe, fühle, höre, schmecke. Jeder Moment ist einfach da.
Und vielleicht ist es die Achtsamkeit, das da sein, das im Hier und Jetzt meinen Partner und meine Situation sehen, die mir zu einer völlig neuen Sicht verhelfen.

8.9.14 22:08

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sternenppoet (8.9.14 22:37)
Ich kenn das. Bei mir war die Eifersucht so schlimm, dass ich meine Partnerin nicht nur fragte, wo sie war, sondern auch, neben wem sie gesessen hat und mit wem sie worüber geredet hat. Wir saßen mal zusammen auf einer Bank in einem Kaffee. Ein Kumpel saß rein und setzte sich zu uns, neben sie. Ich saß auf der anderen Seite von ihr: Ich hab sie geschnappt und über mich drüber gehoben, so dass ich neben dem Kumpel saß und sie auf der anderen Seite von mir. Sie fing dann aber genauso an, mich zu fragen, mir kaum mehr gerne zu gestatten, abends mit Kumpels um die Häuser zu ziehen. Kurz: Iwann saßen wir im goldenen Käfig. Wir hatten uns, wir hatten alles, aber Freunde iwo miteinzubeziehen war nicht mehr möglich ohne Eifersüchtig zu werden. Logisch ging es in die Brüche. Hundertmal Schluss gemacht, hundertmal wieder zusammengekommen: Wir konnten nicht mehr mit uns und nicht mehr ohne uns. Als sie dann wirklich einen anderen hatte, begann ich zu trinken. Hab 20 Kilo abgenommen, nur noch getrunken, rund um die Uhr und überall besoffen aufgetaucht, wo sie war oder wo ich sie vermutete. Es wurde immer peinlicher. Da beschloss ich, sie loszulassen und auf Abendschule zu gehen. Da lernte ich neue Leute kennen und machte mit denen mein Abi nach .. Aber SIE kann ich niemals vergessen ..


(8.9.14 22:50)
Danke, für deine Offenheit und Deine berührende Geschichte! Ich hoffe, dass du deinen Schmerz, worin immer er bestehen mag, verarbeiten und heilen kannst.

Ich würde so gerne eine echte, vertrauensvolle Partnerschaft mit Zukunft haben, wie du selbst erlebt hast, ist das in diesem Zustand nicht möglich.

Ich arbeite daran und hoffe für dich, dass du ebenfalls an deine Schatztruhe tief in deinem Herzen kommst, um sie von Spinnweben und Schmutz zu befreien und um sie in liebevoller Hingabe an dich selbst zu öffnen.

Allerliebste Grüße und eine gute Nacht

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