Unstillbare Sehnsucht

In Borderline Persönlichkeiten steckt eine tiefe Sehnsucht nach etwas, das sie wahrscheinlich selbst nicht beschreiben können. Dieser Trieb ist unbezwingbar, wie es scheint, allerdings auch nicht zu stillen. Wie schon an anderer Stelle ausführlicher beschrieben (siehe Hilfreiches unter unerfüllte Sehnsucht/Idealisierung/Abwertung)

Hier ein ehemaliges Gedicht für meinen Vater in dem ich meine Suche nach der Symbiose ausdrücke. Es zeigt, dass die Suche nach meinem Vater auch nur ein Mittel ist, um die Sehnsucht nach der Symbiose aufrechtzuerhalten, denn selbst er, den ich jahrelang mit dem Herzen gesucht habe, konnte meine Sehnsucht nicht stillen. Vielleicht suche ich nur die Sehnsucht selbst. So sieht es in meinem Leben zumindest aus.

Unser Vater hat uns früh verlassen, für eine andere Frau, eine andere Familie. Damals fühlte ich mich betrogen und verlassen. Im Stich gelassen, verletzt, zu Tode verschreckt.

Schliesslich verschloss ich mein Herz, um diesen Schmerz nicht mehr spüren zu müssen.

Ich glaube nicht, dass das geholfen hat. Vielleicht habe ich dadurch nur noch mehr Probleme.

Gedicht:

Die Tür fällt ins Schloss.
Ich werde zu Eis.
Die Kälte erstickt.
Ich zerfalle.

Mein Eisherz zerspringt in Hass.
Ich hasse dich dafür, dass du mich verlässt.
Der Hass umhüllt mein Herz, damit ich Trauer, Schmerz, Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht spüren muss.
Du hast mich verlassen.
Für eine andere.
Der Schmerz ist zu groß.
Die Liebe zu wahnsinnig.
Ich habe dich überall gesucht.
Mein Herz ist eng.
Mein Bauch kalt.
Mein Leben vorbei.
Ich bin vorbei.
Seitdem du mich verlassen hast.
Komm bitte zurück.
Ich tue alles für dich.
Ich werde immer brav sein, immer lieb, immer hören, immer mein Zimmer aufräumen. Ich tue alles, um dich zurück zu bekommen.
Doch ich bin erstarrt.
Denn als ich dich nach langer Zeit wieder fand, musste ich feststellen..
Du bist gar nicht der, den ich gesucht habe.
Du bist ein anderer.
Es bleibt eine ewige Suche.

5.9.14 11:27

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sternenppoet (5.9.14 19:45)
Ein sehr trauriges Gedicht. Meine Eltern sind auch geschieden, aber mein Vater hat mich jeden Sonntag abgeholt und wir haben den Tag zusammen verbracht. Wir waren ständig in Briefkontakt und er rief mich oft an oder stand spontan - etwa in der Schule - hinter mir und hielt mir die Augen zu, dass ich rate, wer es ist ..

Du hast deinen Vater in Gedanken idealisiert. Wenn er wirklich der wäre, den du erwartet hast, dann hätte er anders reagiert, hätte sich wohl von deiner Mutter getrennt, aber wäre für dich immer da gewesen, hätte dich aus der Ferne beschützt und sich um dich gesorgt, Anteil an dir und deiner Entwicklung genommen. Ja, das tut weh, wenn man an die Möglichkeiten denkt .. oder daran, dass andere das erleben durfen, was einem selbst verwehrt blieb. Aber jede neue Träne ist eine Träne der Verarbeitung und eine Axt für den gefrorenen Seelensee. Tränen sind geweinte Emotionen und Emotionen zeugen von dem Mensch, der sie weint, denn er ist ein Mensch. Ich bin in Gedanken bei dir ..


Ich glaub es hakkt (6.9.14 13:40)
Das ist schön zu hören, dass es Väter gibt, die ernsthaftes Interesse an ihren Kindern haben. Leider ist das weder für mich noch mein Kind zutreffend. Irgendwie doppelt schwer zu tragen.

Ich versuche das Beste daraus zu machen.


Sternenppoet (6.9.14 16:56)
Das wird ihm vll. später einmal aufgehen, dass es das Höchste ist, ein Kind zu haben und das Allerhöchste, ein Kind zu lieben und von einem Kind wiedergeliebt zu werden. Das ist das Wunderbarste, was es gibt, nicht nur weil man in seinem Kind weiterlebt, sondern weil man das Kind bis zum eigenen Lebensende hat und es da ist, wenn keiner mehr da ist. Es tut mir weh, das es Väter gibt, die einfach dumm zu sein scheinen :/

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