Todessehnsucht

Ich liege in einem kalten Raum. Augen hinter der Fensterscheibe beobachten mich. Ich weiß es. Denn der Vorhang wackelt. Doch welche Farbe sie haben, weiss ich nicht.

Vielleicht sind sie grau und kalt, oder blau und neugierig, vielleicht braun und mitfühlend oder grün, so wie meine...

Meine Kopfhörer presse ich an die Ohren damit ich die Schreie dieser Frau nicht hören muss. Sie klingt, als wäre sie schon tot.

Es bringt nichts. Ich höre sie wimmern, klagen und flehen... Was hat man bloß mit ihr gemacht? Das frage ich mich bei jedem Augenpaar, das ich erblicke. Düstere Nebelschwaden hängen vor ihnen... Vernebelt von Medikation, Leben und Todessehnsucht.

Ich kann nicht mehr... Ich möchte mein Leben hinter mir lassen. Den fressenden Schmerz, den ich nicht lindern kann. Die Zweifel, wo ich eigentlich hin gehöre und die endlose, sinnlose Leere...

Ich kann nicht mehr leben. Doch ich kann auch nicht sterben. Und so existiere ich weiter in einer Zwischenwelt. In einer Welt, deren Namen nur ich kenne. Von deren Existenz nur ich weiss. Und zu der nur ich Zugang habe.

Ich glaube hier ist es leer und einsam. Ich kämpfe dagegen und bin gleichzeitig froh darum.

Ich halte beides nicht aus. Voll und leer. Nah und fern. Leben und Tod.

Doch ich trage die Illusion, dass ich hier manchmal etwas weniger leide. Etwas entfernter von der Welt. Etwas näher dem Tod

Auch wenn ich seinen Feuerkuss noch nicht empfangen kann.

4.9.14 21:35

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sternenppoet (5.9.14 09:19)
Ein Feuerkuss kann auch erwecken, kann ummanteln, kann Wärme schenken. Die Lippen des Todes sind eher eisig, so denke ich. LG Sven


Ich glaub es hakkt (5.9.14 10:17)
Vielleicht hat der Tod mich zu neuem Leben erweckt.. :D Okay, zu weit hergeholt...

Hmm, der Feuerkuss war für mich das Feuer der Zerstörung. In diesem Moment.

Tut mir leid, wenn ich dieses schöne Wort misshandelt habe.

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